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Towards Silence

ID: ECMNS 2014CD
Künstler: GIGER PAUL & DÄHLER M-L.
Komponist:
VÖ Datum: 2007-08-14
Label: ECM New Series
Region:
Stil: von Bach bis Jazz und Avantgarde
Typ: CD
Anzahl CDs: 1
Code: 165
Preis: 19,50 EUR   (exkl. MwST.: 16,25)
Info:
Paul Giger violin, violino d'amore

Marie-Louise Dähler harpsichord

Seit seinen Aufsehen erregenden Solo-Improvisationen aus der Kathedrale von Chartres, die 1989 bei ECM erschienen, kennt man Paul Giger als höchst originellen Geiger und Komponisten, der seine Musik immer auch aus der Auseinandersetzung mit dem akustischen Raum entwickelt. Wie die bisherigen Aufnahmen, so bringt auch dieses sechste, in der österreichischen Propstei St. Gerold entstandene Album sowohl eigene Kompositionen wie auch Improvisationen. Hier nun kommen Werke von Johann Sebastian Bach hinzu. Zum einen die berühmte "Aria", die in den Goldberg-Variationen zum Ausgangspunkt für 30 "Veränderungen" wird, zum anderen die vier Sätze der Sonate f-Moll BWV 1018 für Violine und obligates Cembalo.

Dass Giger, einst Konzertmeister des Sinfonieorchesters St. Gallen, das Violinrepertoire in den Jahren der Arbeit an seiner eigenen Musik nicht vernachlässigt hat, ist seinem schlanken und beweglichen Bach-Spiel anzuhören. Marie-Louise Dähler, die gefragte Solistin, Kammermusikpartnerin und leidenschaftliche Continuospielerin, die bereits als Kind bei ihrem Vater die ersten Lektionen erhielt, ist bei Bach ohnehin zu Hause. Als Generalbass-Spezialistin hat sie naturgemäß immer auch improvisatorisch gearbeitet, was für diese Zusammenarbeit äußerst fruchtbar wurde und sich in die freie Improvisation erweiterte - und das hat sich wiederum auf die Kompositionen ausgewirkt. In "Towards Silence" kommen sich die beiden Musiker von unterschiedlichen Seiten entgegen. Dabei entsteht ein spielerischer und immer wieder überraschender Austausch zwischen vermeintlich gegensätzlichen Klangwelten und Stilen.

Seit sie vor sieben Jahren als Duo zusammenkamen, haben Paul Giger und Marie-Louise Dähler sich mit Bachs Sonaten beschäftigt und sie häufig in ihre Programme integriert, ganz ihrer eigenen Anordnung folgend. "Im Konzert spürt man meistens genau, wo man einen Satz einstreuen kann, bei einer Aufnahme ist das problematischer", sagt Giger. "Schließlich haben wir eine Lösung gefunden, die die Satzfolge der Bach-Sonate fast auf den Kopf stellt, dafür aber ganz unterschiedliche Übergänge zwischen unseren Stücken und Bach ermöglicht." Während zu Beginn eine ausgedehnte freie Improvisation - die gleich beim ersten Versuch festgehalten wurde - und Bachs "Aria" unmittelbar gegenübergestellt werden, folgt das "Postludium" dem Vivace der Bach-Sonate wie ein schräger Schatten (Track 5) und geht das "Präludium" beinahe unmerklich in Bachs Adagio über.

Dass die Musiker den Instrumenten so viele ungewohnte Klänge entlocken, liegt an einer Fülle unkonventioneller Spieltechniken. In "Cemb a quattro" ist das Tasteninstrument so präpariert, dass in jedem Register ein anderer Tonvorrat zur Verfügung steht, was unmittelbare Auswirkungen sowohl auf die melodischen, die harmonischen wie auch die rhythmischen Vorgänge hat. Während Marie-Louise Dähler die Tasten anschlägt, bearbeitet Giger die Saiten im Inneren des Instruments mit Hackbrettruten. Für ungewohnte Farben sorgt überdies die "Violino d'amore", Gigers allererste, vom Großvater ererbte Geige, die Christopher Lee Lüthi so umgebaut hat, dass fünf besonders gestimmte Spielsaiten (d-a-d'-a'-d'') mit sechs Resonanzsaiten kombiniert werden. Aufgrund der Obertonbeziehungen entsteht auf den Tönen bestimmter Skalen ein eigener Nachhall, welcher das Instrument mit einem weichen Hauch zu umgeben scheint. Werden die Resonanzsaiten gezupft, kommt es, wie in "Dorian Horizon", zu einem Klang, der sich geheimnisvoll mit jenem des Cembalos verwebt.

So assoziativ und frei sie mitunter wirken: Beinahe allen Stücken liegt eine strukturelle Idee zu Grunde. Bei "Halfwhole" geht es um die harmonischen wie melodischen Möglichkeiten einer Skala aus alternierenden Halb- und Ganztonschritten, "Dorian Horizon" nimmt sich, wie der Titel suggeriert, der horizontalen, also melodischen Aspekte der dorischen Skala an. Und "Gliss a uno" beschreibt ein extrem gedehntes Abwärtsglissando auf einer Saite, bei ununterbrochenem "Tremolo" des Bogens. Bei "Bombay II" handelt es sich um eine gemeinsam mit Marie-Louise Dähler ausgearbeitete Duofassung eines Solostücks, das Giger gegen Ende seines ersten Indienaufenthalts um 1970 komponiert hatte. Die Soloversion ist auf der CD "Schattenwelt" zu hören.


Paul Giger, 1952 geboren im Schweizerischen Herisau, reiste in jungen Jahren als Straßenmusiker durch Asien und absolvierte anschließend ein Musikstudium in Winterthur und Bern. Drei Jahre war er Konzertmeister des Sinfonieorchesters St. Gallen, seit 1983 arbeitet er freischaffend. Gigers Repertoire umfasst die Violinliteratur vom Barock bis zur Moderne, weitere Schwerpunkte bilden Improvisation, Jazz und verschiedene Folkloretraditionen. Zu seinen musikalischen Partnern zählten Pierre Favre, Jan Garbarek, das Hilliard Ensemble und der Estnische Kammerchor neben vielen anderen. Paul Giger komponiert Chor-, Orchester und Kammermusik und hat bei ECM bereits fünf Aufnahmen unter eigenem Namen vorgelegt.

Marie-Louise Dähler, die seit 1999 mit Paul Giger zusammenarbeitet, wuchs in einer Berner Musikerfamilie auf und begann mit fünf Jahren mit dem Cembalospiel. Sie studierte bei ihrem Vater, Jörg Ewald Dähler, in Bern sowie bei Johann Sonnleitner in Zürich und legte ihre Diplome mit Auszeichnung ab. Regelmäßige Auftritte als Solistin und in Kammermusikensembles, daneben Unterrichtstätigkeit. Als CD hat sie Bachs Flötensonaten zusammen mit Wolfgang Schulz, dem Soloflötisten der Wiener Philharmoniker, eingespielt.

Illustriertes Booklet mit einem Essay von Peter Surber (Deutsch/Englisch)

ECM-hp


Giger/Dähler:
From Silence to Silence
Bach:
Aria from Goldberg Variations, BWV 988
Giger/Dähler:
Cemb a quattro
Halfwhole
Bach
Vivace from Sonata V in F minor for violin and obligato harpsichord, BWV 1018
Postludium
Giger/Dähler:
Dorian Horizon
Bach:
7Allegro from Sonata V, BWV 1018
Giger/Dähler:
Vertical
Gliss a uno
Bach:
Præludium
Adagio from Sonata V, BWV 1018
Giger/Dähler:
Bells
Bombay II
Bach:
Largo of Sonata V, BWV 1018

Recorded October 2006

Anzahl:  
 

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