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La Sonnambula

ID: DV-OPSONDVD
Künstler: Mei; Bros; Orch. + Chor Maggio Musicale Fiorentino; Oren
Komponist: BELLINI VINCENZO
VÖ Datum: 2005-08-04
Label: TDK Recording
Region: Oper
Stil: Rec. Maggio Musicale Fiorentino 2004
Typ: DVD
Anzahl DVDs: 1
Code: 220
Preis: 32,00 EUR   (exkl. MwST.: 26,67)
Info:
Maggio Musicale Fiorentino 2004:

VINCENZO BELLINI
LA SONNAMBULA
Melodramma in due parti - Libretto by Felice Romani

EVA MEI · JOSÉ BROS · GIACOMO PRESTIA

Orchestra e Coro del Maggio Musicale Fiorentino
DANIEL OREN

Ein Traum von Bellini

Vincenzo Bellini wurde in Sizilien geboren und in Neapel ausgebildet. Nach seinem Abschluss ging er nach Norden und ließ sich in der neuen italienischen Opernmetropole Mailand nieder; Anlass war ein Kompositionsauftrag für eine Oper an der Scala, den man ihm in Aussicht gestellt hatte, und als der Vertrag schließlich unter Dach und Fach war, konnte er alsbald mit seiner Oper Il pirata - es war erst seine dritte - sogleich einen Erfolg verbuchen. Vier Jahre lang hielt er sich in Mailand auf, schrieb Werke auch für andere Städte und pflegte Umgang nur mit der feinen Gesellschaft - ein geschickter taktischer Zug, wie sich zeigte, denn als eine Gruppe von Aristokraten beschloss, eine Opernspielzeit am Teatro Carcano zu finanzieren, wurden Werke dafür bei Bellini und Donizetti in Auftrag gegeben. Donizetti war vier Jahre älter als Bellini, und obwohl er bereits 29 Opern geschrieben hatte, war ihm ein Erfolg wie derjenige seines Konkurrenten noch nicht zuteil geworden. Das änderte sich allerdings mit der Oper, die er für die Carcano-Spielzeit komponierte: Anna Bolena, das erste Meisterwerk seiner Reifezeit.
Bellini hatte ein ähnliches Projekt ins Auge gefasst, eine große, tragische Oper über Victor Hugos Hernani, aber als der Text auf sich warten ließ (der Librettist, Felice Romani, arbeitete gleichzeitig am Libretto für Donizettis Oper) und es sich als äußerst schwierig erwies, den aufrührerischen Stoff durch die Zensur zu bekommen, legte man Bellini stattdessen ein ganz anderes Stück zur Vertonung vor: eine schweizerische Dorfidylle, die von einem denkbar milden Anlass für Dramatik heimgesucht wird, nämlich von der Besorgnis erregenden Eigenschaft der Heldin, schlafzuwandeln. Es handelte sich um die Übertragung eines bereits existierenden ballet pantomime, La Somnambule, das vier Jahre zuvor mit Musik von Ferdinand Hérold in Paris gegeben worden war und seinerseits auf ein Vaudeville von 1816 zurückging.
Bellinis Oper orientierte sich noch an einer anderen, älteren Tradition und lehnte sich an ein bestimmtes Vorbild an: Paisiellos Nina, ossia La pazza per amore, eine gefühlvolle Oper aus dem späten 18. Jahrhundert. Die Titelpartie dieses Stücks war eine Spezialität der Sängerin Giuditta Pasta, und die Geldgeber der Carcano-Spielzeit hatten dafür gesorgt, dass sie, gemeinsam mit dem ebenso berühmten Tenor Giovanni Rubini, für beide Opern unter Vertrag genommen wurde. Bellini konnte daher die Partie der Amina in La Sonnambula speziell auf Pastas musikalische und darstellerische Stärken zuschneiden: ihre Fähigkeit, die Hörer durch schlichte, klagende Weisen zu rühren wie in der melancholischen Arie »Ah! non credea mirarti«, und ihre atemberaubende Virtuosität in der brillanten Schlussnummer »Ah! non giunge uman pensiero«. Als die Oper im März 1831 uraufgeführt wurde, war sie, wie Bellini berichtete, ein durchschlagender Erfolg. Tags darauf schrieb er an seinen Freund Francesco Florimo: »Ich sah niemandem in dem riesigen Zuschauersaal, der nicht bewegt oder in Tränen aufgelöst gewesen war.«
Die Oper spielt in der Schweiz und beginnt mit einer Feier anlässlich der Verlobung Aminas mit Elvino. Einziger Missklang ist die abweisende Haltung Lisas, der ehemaligen Geliebten Elvinos, gegenüber den Annäherungen Alessios. Elvino besucht das Grab seiner Mutter und kommt mit einem Ring, der einmal ihr gehört hat, zur wartenden Amina, um ihn ihr zu überreichen. Die Ankunft eines Fremden, des Grafen Rodolfo, der die Gegend gut zu kennen scheint, verwirrt die Anwesenden, und bei Einbruch der Nacht ziehen sich alle zurück - gewarnt von Aminas Pflegemutter Teresa -, um nicht dem Geist zu begegnen, der angeblich im Ort spukt.
Amina hat Rodolfo ihre Aufmerksamkeit geschenkt und damit Elvinos Eifersucht heraufbeschworen. Später betritt sie schlafwandelnd Rodolfos Zimmer; Elvino, den Lisa herbeigeholt hat, findet sie dort vor und sieht seinen Verdacht bestätigt. Er löst die Verlobung, und schon frohlockt Lisa, da sie meint, sie könne Elvino zurückgewinnen. Ihr Triumph ist allerdings nicht von langer Dauer, denn Teresa enthüllt, auch Lisa sei im Zimmer des Grafen gewesen. Rodolfos Versuche, die Wahrheit zu offenbaren, stoßen auf Unglauben, aber urplötzlich erscheint Amina abermals schlafwandelnd, und dieses Mal befindet sie sich in Lebensgefahr. Rodolfo klärt die Anwesenden über Aminas Somnambulismus auf und ermutigt Elvino, zu ihr zu gehen. Als sie erwacht, fallen sich die jungen Liebenden wieder in die Arme.
Federico Tiezzis Produktion von Bellinis Oper lief erstmals im Dezember 2000 am Teatro Comunale in Florenz; damals löste seine radikale Absage an das traditionelle erzählerische und visuelle Vokabular heftige Kontroversen aus. Die Inszenierung führt keine ungetrübte Idylle gesellschaftlicher Konvention vor und scheint in Aminas Traumwelt zu spielen, einem Ort, der anfangs in reines Weiß getaucht ist, sich aber plötzlich verfinstert, als ihre Unschuld infrage steht; bevölkert wird er von schattenhaften Dorfbewohnern, die am Rand ihres Bewusstseins existieren, nach dem scheinbaren Vertrauensbruch aber anklagend mit dem Finger auf sie zeigen. Der Text ist nicht vollständig: Abgesehen von vereinzelten Stellen innerhalb geschlossener Nummern fehlen Lisas Arie im zweiten Akt und das nachfolgende Quartett, so dass, stärker als sonst, die Protagonistin mit ihrer Hoffnung auf die perfekte Puppenstuben-Häuslichkeit und ihrer Befürchtung, von der Gesellschaft verstoßen zu werden, im Zentrum steht. Tiezzi verlegt die Handlung ins späte 19. Jahrhundert und zeigt den mysteriösen »Grafen« als einen älteren Herrn, den Amina auf seinem roten Sofa besucht: eine Figur mit Freud'schen Implikationen. Pier Paolo Bisleris wie gemalt wirkende Kulissen und Gabriella Pescuccis Kostüme rufen zahllose Assoziationen an Kunst und Kino hervor und sorgen für einen echten coup de théâtre, wenn Amina auf einem halsbrecherischen Gang die zusammenstürzende Metallbrücke über dem Eis überqueren muss.
Die beiden Hauptpersonen werden von Sängern gespielt, die als Spezialisten für dieses Repertoire gelten dürfen: Die Koloratursopranistin Eva Mei hat die Rolle der Amina zwischen Palermo und Turin überall in Italien gesungen, und der katalanische Tenor José Bros zeigt noch einmal die gleiche, von Il giornale della musica als »souverän und engagiert« bezeichnete Leistung wie in der Erstaufführung. Letztlich aber trägt die Hauptdarstellerin das Stück, und Eva Mei wurde von der gleichen Zeitschrift wegen ihres »überlegenen Belcanto, ihrer reinen, strahlenden Höhe und der entschlossenen, dabei ganz unprätentiös-eleganten Art, die Szene zu beherrschen« gelobt.

Kenneth Chalmers
(Übersetzung: Stefan Lerche)



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