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ET JESUM - MOTETS, ANTIFONAS...

ID: HMI 987042
Künstler: MENA,C./RIVERA,J.C.
Komponist: VICTORIA,T.L.D.
VÖ Datum: 2004-04-21
Label: Harmonia Mundi Iberica
Region:
Stil: Countertenor
Typ: CD
Anzahl CDs: 1
Code: 0
Preis: 20,50 EUR   (exkl. MwST.: 17,08)
Info:
Streben nach der himmlischen Vollendung
1567 wurde ein 19 Jahre junger Mann aus Spanien mit dem Namen Tomás Luis de Victoria am Collegium Germanicum in Rom zum Priesterstudium zugelassen. Was hatte ein Spanier am deutschen Kolleg zu suchen, das Ignatius von Loyola, Ordensgründer der Gesellschaft Jesu, mit dem Ziel errichtet hatte, hier deutsche Priester zum geistigen Kampf gegen die Protestanten auszubilden? Vermutlich wählte Victoria dieses Institut, da es von Jesuiten geführt wurde, bei denen er bereits im heimischen Ávila seine Studien begonnen hatte. Der junge Mann brachte überdies eine fundierte musikalische Ausbildung mit, die er sich als Chorknabe an der Kathedrale von Ávila erworben hatte. Während der folgenden elf Jahre verdiente sich Victoria seinen Lebensunterhalt in vielen Stellungen als Musiker in der ewigen Stadt: am Collegium Germanicum, am Collegium Romanum (wo er Palestrina als Kapellmeister nachfolgte) und an verschiedenen Kirchen. 1575 erhielt er die Priesterweihen und wurde drei Jahre später in die Congregazione dell'Oratorio aufgenommen, einer Vereinigung von Weltpriestern, die hier einen geistlichen Zusammenhalt hatten, ohne die Mönchsgelübde abzulegen.
Victorias Ruhm als Komponist muß seit der Veröffentlichung einer Motettensammlung 1572 in Venedig bereits beträchtlich gewesen sein, da er seit seiner Priesterweihe vom Papst finanzielle Zuwendungen gewährt bekam, die ihn wirtschaftlich unabhängig machten und es ihm erlaubten, sich ganz der Komposition zu widmen. Viel Sorgfalt wandte er auch auf die Veröffentlichung und Verbreitung seiner Werke, er bot seine prachtvoll gedruckten Notenbände, die ob ihrer luxuriösen Ausstattung den Neid des berühmten Palestrina erregten, weithin an - bis nach Amerika ist seine diesbezügliche Korrespondenz belegt. Durch eine geschickte Widmung einer Sammlung von Meßvertonungen an den kunstsinnigen König Philipp II. von Spanien gelang es ihm, Beziehungen an den Hof zu knüpfen und 1585 nach 18 Jahren in der Fremde wieder nach Spanien zurückzukehren.
Philipp II. empfahl den Heimkehrer seiner Schwester Maria, die als Witwe des deutschen Kaisers Maximilian II. seit 1581 in Madrid bei den Königlichen Barfüßerinnen residierte. In diesem sehr wohlhabenden Kloster lebten 33 Nonnen in völliger Abgeschiedenheit. 1587 wurde Victoria der persönliche Kaplan der Kaiserinwitwe und blieb dies bis zu ihrem Tod im Jahr 1603. Die Trauerfeierlichkeiten für die hohe Verstorbene wurden mit aller erdenklichen Prachtentfaltung gehalten, Victoria schrieb für diesen Anlaß sein heute bekanntestes Werk, das Officium Defunctorum, das er 1605 als letztes Opus seines Lebens veröffentlichte. Die vollendete Polyphonie dieses Requiems verleugnet die musikalische Verwandschaft mit Palestrina nicht, doch erhält die Komposition ihre Bedeutung besonders durch den engen Bezug zwischen Text und Musik: Victoria war mit über fünfzig Jahren für seine Zeit ein alter Mann, er gestaltet hier existenzielle Erfahrungen und religiöse Überzeugungen um Tod, Gericht und Auferstehung in höchst beeindruckender Weise. Nach dem Tod seiner Mentorin blieb Victoria den Königlichen Barfüßerinnen bis zu seinem eigenen Tod 1611 als Organist verbunden.

Der 1971 geborene spanische Countertenor Carlos Mena studierte an der Schola Cantorum Basiliensis bei René Jacobs und gehört heute zu den international renommierten Sängern seines Fachs. Mit dem Programm dieser CD entführt er seine Zuhörer in die Kapelle der Descalzas Reales, in der sie ihre täglichen Andachten und Meßfeiern begingen. Die Schwester des Königs, selbst Kaiserin und Mutter zweier Kaiser, bereitete sich während der beiden letzten Jahrzehnte ihres Lebens auf den Weg in die Ewigkeit vor. Auf diesem Weg wurde sie von einem der besten Komponisten ihres Zeitalters begleitet, der sich ausschließlich ihr zu widmen hatte. Seine Musik gab Maria und ihren Mitschwestern einen Vorgeschmack der himmlischen Herrlichkeit, heutige Hörer können sich dank der außerordentlichen Meisterschaft, mit der Carlos Mena die Stücke gestaltet, als Zaungäste des exklusiven Nonnenkonvents fühlen. (HM)


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