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Paris / London Testament 3CD

ID: ECM 2130-32CD
Künstler: JARRETT KEITH
Komponist:
VÖ Datum: 2009-10-02
Label: ECM
Region:
Stil: 2008 Konzerte
Typ: CD
Anzahl CDs: 3
Code: 180
Preis: 23,50 EUR   (exkl. MwST.: 19,58)
Info:
"Testament": Das klingt alarmierend. Ein letzter Wille in musikalischer Form? Keith Jarrett, der große Zelebrator, hat wieder Solo-Aufnahmen gemacht. Im November und Dezember 2008 gab der 1945 geborene US-Amerikaner Konzerte in Paris und London, die mitgeschnitten wurden. Und jetzt sind sie auf einer Dreifach-CD erschienen.

Ausnahmsweise ziemlich zeitnah kommen sie auf den Markt. Und dann unter dieser Überschrift. Das macht neugierig. In der Tat spielte Jarrett - der seit vielen Jahren spektakulärste Vertreter der Gattung Solo-Improvisation am Klavier - diese Musik am Ende einer bedeutenden Lebensphase. Es ist Musik mit ganz vielen Farben. Und es ist Musik von mitreißender emotionaler Kraft.

Momente von melodienseliger Innigkeit
Die beiden Live-Aufnahmen, einmal mit acht, einmal mit zwölf Teilstücken, zeigen nicht etwa einen besonders zerknirschten, sondern einen besonders inspirierten Jarrett. Die Stimmungen, in denen er sich hier treiben lässt, packen sofort durch ihre Intensität. Dabei bedient sich Jarrett wieder einer fast enzyklopädischen Vielfalt der Klangsprachen. Bei weitem nicht nur Jazziges und lässig akzentuierter Blues sind da zu hören, sondern schlichtweg Vieles von dem, was die Klavierliteratur seit dem 19. Jahrhundert an Klangfarben in die Welt gesetzt hat: verhangene Romantik, schillernder Impressionismus, kantige Atonalität. Und vor allem auch: Momente von melodienseliger Innigkeit. Manche dieser vier- bis zwölfminütigen Abschnitte, die Jarrett hier unter einen großen Ausdrucks-Bogen spannt, klingen wie wunderschöne langsame Folksongs, die man seit langem zu kennen glaubt.

Spieltechnisch kaum zu überbieten
Gerade in den Momenten, in denen Jarrett-Verächter gern schnell mit dem Wort "Kitsch" daherkommen, zeigt sich die besondere Meisterschaft dieses Pianisten. Er spielt keinen Kitsch, denn dann klängen diese Momente abgedroschen. Und das tun sie nicht. Auch wenn Jarrett diese einschmeichelnden Momente, die er gern mit emphatischen Triolen und sich auftürmenden Tremoli garniert, noch so sehr feiert und mit manchmal fast pompösem Gestus auflädt, schafft er es stets, der Musik eine Frische und Unmittelbarkeit zu geben, die jeden Verdacht auf gezielt eingesetzte, aus dem Fundus abgerufene Effekte, sofort zerstreut. Und spieltechnisch sind diese schier hymnischen Einlagen sowieso wohl kaum zu überbieten: Klarer kann man Stimmen gar nicht gegeneinander absetzen, und mustergültiger lassen sich melodische Phrasen nicht formen. Ein "Testament", das man sich als Hörer gern zu Gemüte führt. Was Jarrett hier an die Mit- und Nachwelt weitergibt, ist es wert, dass man es behält.
Von Roland Spiegel / BR KLASSIK

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