Alfons Kontarsky

Geboren 1932.
Aufgewachsen in Iserlohn (Westfalen). Früh Organistendienst. Als kleiner Junge von acht Jahren beherrschte ich eine Orgel mit drei Manualen und 50 Registern. Als der unmusische Pfarrer sich wegen des Vortrags einer Hindemith-Sonate während des Gottesdienstes schriftlich beim Vater beschwert und sich das »atonale Gewimmer« verbietet, steht der erste Berufsentschluß fest: Organist werde ich nicht!

Schon frühzeitig mit dem eineinhalb Jahre älteren Bruder vierhändig gespielt. Angenehmen Grundunterricht bei einem »Allroundgenie« der Stadt bis Kriegsende.
Mit sechzehn steht fest: Ich werde Musiker. Leistungen am Klavier steigen so rapid wie diejenigen im Gymnasium abfallen. Trotz einiger Mühe die Matura absolviert. Schwerste Prüfung meines Lebens.

Vier Semester an der Hochschule für Musik in Köln studiert: Klavier, Kammermusik, Dirigieren. Dirigieren aufgegeben wegen freundlichen Naturells und Fehlens jeglicher tyrannischer und diktatorischer Fähigkeiten. Kann aber heute noch schwierige Partituren vom Blatt lesen und spielen.
Wichtigstes Ergebnis der Kölner Studienzeit: Eine hübsche Cellistin kennengelernt, seit 38 Jahren mit ihr verheiratet.

1955 am ARD-Wettbewerb München mit dem Bruder Aloys den ersten Preis im Fach Klavierduo errungen. Noch ein Jahr Weiterstudium der klassischen Literatur für zwei Klaviere beim großen alten Mann Eduard Erdmann. Dann Beginn einer steilen Karriere unter dem Markenzeichen Klavierduo Kontarsky. Reisen in alle wichtigen Musikländer der Welt. Nur die ehem. UdSSR lädt zweimal ein und ohne Angabe von Gründen wieder aus. Pech für die Russen! Viele Schallplatten.

1983 erkrankt der Bruder schwer und das Klavierduo erlischt. Seitdem Zusammenarbeit mit zum Teil international bekannten Musikern sowie zunehmend solistische Verpflichtungen.
Nachtrag: Nie eine Klavierprüfung abgelegt, nie ein Pädagogikum gemacht. Trotzdem:

1967 Klavierprofessur an der Hochschule für Musik in Köln. Bedenken wegen mangelnder pädagogischer Erfahrung werden vom Direktor beiseite gewischt: »Fangen Sie mal mit der Arbeit an, Sie werden bald merken, daß immer dieselben Stücke gespielt werden.« Hat sich leider bestätigt. Schüler, die ungebräuchliche Musik arbeiten wollen, zum Beispiel Carl Maria von Weber, Max Reger und Karlheinz Stockhausen, kann man mit der Laterne suchen.

Später Hochschule München, verbunden mit der Umsiedlung nach Bayern an den Starnberger See. Erster Vizepräsident der Hochschule in München und Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Mitglied des Deutschen Musikrats.

Größter persönlicher Erfolg in München: Er kann jetzt aus dem Stegreif eine Rede halten.
Größter Erfolg für die Hochschule: 1982 anläßlich einer Rektorenkonferenz Festessen organisiert. Kollegen reden noch heute davon.

Einige Jahre später von den listigen Österreichern abgeworben und ausgewandert ins Land Salzburg. Seitdem Professor für Klavier und Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst »Mozarteum« in Salzburg.

Fragen nach einem Hobby werden so beantwortet: Ein Hobby ist eine Erfindung für Leute, die einem ungeliebten Beruf nachgehen. Trifft bei mir nicht zu! Trotzdem:
1. Pilzexperte (trotz Tschernobyl)
2. Amateurkoch (guter, wie Freunde behaupten)
3. Weintrinker (trockener Weisser)
4. Gourmet
5. Wandert im Gebirge
6. Schwimmt gerne
7. An und für sich gutes Gedächtnis wird durch Erlernen von Gedichten geschult (aus dem Stegreif können an die hundert Gedichte von Busch, Morgenstern, Ringelnatz und Kästner rezitiert werden).
Ansonsten friedfertig und pflegeleicht.

Alfons Kontarsky